Schleimhautfalte

Plica mediopatellaris

Die Plica

Die Plica mediopatellaris ist eine Falte der Gelenkschleimhaut (Synovialfalte), die sich im Kniegelenk zwischen dem Oberschenkelknochen (Femur) und der Kniescheibe (Patella) befindet. Die Plica ist ein Relikt aus der Embryonalzeit. In der frühen embryonalen Entwicklung wachsen mehrere Gelenkhöhlen zu einer einzigen zusammen. Wenn sich deren Trennwände nicht vollständig zurückbilden, können verschiedene Schleimhautfalten (Plicae) an verschiedenen Stellen zurückbleiben.

arthroskopisches Bild einer Schleimhautfalte (Plica mediopatellaris)

Beschwerden

Viele Menschen mit einer Plica haben keinerlei Probleme. Ist die Plica jedoch prominenter, kann es zu Irritationen kommen. Vor allem Überbeanspruchung des Kniegelenks mit belastenden Aktivitäten, bei denen das Knie wiederholt gebeugt und dann wieder gestreckt wird (wie etwa Laufen, Radfahren, oder Übungen auf dem „Stepper“) sind die häufigsten Ursachen.

Die Plica selbst, aber auch das Gewebe rundherum schwillt dabei an und wird schmerzhaft. Diese Verdickung reibt dann am Knorpel innerhalb des Kniegelenks und kann, bei fortlaufender Belastung, zu einem Schaden des Gelenksknorpels oder zu einer Gelenksentzündung (=Arthritis) führen.

Die häufigsten Beschwerden:

  • Schmerzen bei Belastung, meist an der Innen- oder Rückseite der Kniescheibe
  • „Knarren“ oder „Knacksen“ des Gelenks in einer bestimmten Position während dem Beugen des Gelenks
  • ein Gefühl des „Blockierens“ bei der Streckbewegung
  • Steifigkeit des Gelenks nach langem Sitzen
  • In manchen Fällen ist die verdickte Plica auch unter der Haut tastbar, oder es kommt zu einem Anschwellen des gesamten Kniegelenks
Diagnose

Für die Diagnose eines Plicasyndroms versucht man zunächst, den Schmerz genau zu lokalisieren bzw. eine aufgetretene Verdickung im Bereich der Kniescheibe festzustellen. Oft kann man auch das Reiben der Plica im Kniegelenk bei Bewegung spüren. Auch ist es für der erfahrenen Kniespezialisten möglich, die verdickte Plica bei Beugung und Streckung auf dem Oberschenkelknochen mit dem Finger zu tasten.

Eine MRI-Untersuchung kann ebenfalls bei der Diagnosestellung hilfreich sein, sie muss allerdings nicht immer einen eindeutigen Befund ergeben. Bei manchen Patienten erfolgt der endgültige Beweis eines Plicasyndroms erst im Rahmen einer Arthroskopie (Kniegelenksspiegelung).

kernspintomografisches Bild einer Schleimhautfalte (Plica mediopatellaris)

Therapie

Eine Behandlung einer Plica ist nur erforderlich, wenn sie tatsächlich zu Knieproblemen führt. Oft kann ein konservativer Behandlung erfolgen mit folgenden Maßnahmen:

Schonung /Sportpause

Die gereizte Plica benötigt Schonung und damit auch eine Sportpause. Belastende sportliche  Bewegungen, bei denen das Kniegelenk oft gebeugt wird,                  sollten reduziert werden oder ganz vermieden werden

Schmerz-und entzündungshemmende Medikamente

Die Einnahme von „entzündungshemmenden“ Wirkstoffen wie z.b Ibuprofen, Diclofenac können über einen bestimmten Zeitraum verabreicht werden,                  sind nach unserer Erfahrung aber bei vernarbenden, hochgradig verdickten -und entzündlichen Schleimhautfalten nicht wirksam.

Physiotherapie

physiotherapeutisch kann Elektrotherapie mit Ultraschall und Iontophorese angewandt werden. Jedoch viel erfolgversprechender sind in erster Linie Massnahmen zur Verbesserung muskulärer Dysbalancen, Beinachsentraining (z.b.Ausgleich Valgusbelastung beim Sprung), Stabilisierung der Lendenwirbelsäule, Beckenkontrolle mit Kräftigung der oft abgeschwächten Hüftmuskulatur (Gluteus medius, Tensor fasciae latae,etc.), Triggerpunktbehandlungen und Verbesserung gestörter oder defizitärer neuromuskulärer Kontrolle des erkrankten Beines.

regenerative Zelltherapie

Kortison ist aufgrund seiner bekannten Nebenwirkungen auf Sehnen und Bänder ein Medikament für den Notfall. Sollte keine andere Therapie Wirkung zeigen, kann man in sehr großen Abständen Kortison in Form von Spritzen verabreichen. Doch nicht nur Kortisonspritzen stellen bei zu häufigem und kurzen Abständen eine Gefahr für das Kniegelenk, auch der Knorpel leidet massiv. Eine weitere Möglichkeit bietet nun die regenerative Zelltherapie, die bisher gute Ergebnisse bei Muskel- und Sehnenerkrankungen zeigt, und als entzündungshemmende Therapie  vor operativem Eingriff ebenfalls eine Option darstellt.

Operation

Nach einem erfolglosen konservativen Therapieversuch gilt es vor einer möglichen arthroskopischen Entfernung der Plica nochmals differentialdiagnostisch zu klären, ob die Plica trotz kernspintomographischer Existenz für die Beschwerden prioritär verantwortlich ist. Unsere Vorgehensweise zur differentialdiagnostischen  Klärung sieht deshalb folgendes vor:

  • Untersuchung auf Beinachsenfehlstellung und Ausschluss ungenügender Beinachsenkontrolle (neuromuskulärer Kontrollverlust) im Provokationstest einbeiniger Kniebeugenstand und Sprungbelastung
  • Untersuchung auf muskuläre Dysbalancen der Lenden-Becken-Beinmuskulatur
  • Untersuchung und Messung der gesamten Becken-Hüfte- Beinmuskulatur auf muskuläre Schwächen (u.a. mit Dynamometer)
  • Untersuchung der Lendenwirbelsäule , z.b. auf strukturelle und funktionelle Instabilitäten
  • Untersuchung auf Insertionstendopathien (z.b. Adduktoren am Tub.adduktorium)

Arthroskopischer Eingriff:

In allgemeiner oder regionaler Anästhesie werden zwei kurze Schnitte von etwa 1 cm Länge vorne am Knie angelegt, um Spülflüssigkeit und die Instrumente in das Kniegelenk einbringen zu können. Am Bildschirm sind die Gelenkstrukturen (Arthroskopie) sichtbar. Mit einem sog.Shaver (einem motorgetriebenen Schneideinstrument) wird anschliessend die Schleimhautfalte (Plica) entfernt.

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