Verletzungen der Knieseitenbänder, z.b. Innen-oder Aussenbandrisse sind die häufigsten Sportverletzungen. Zu den Risikogruppen gehören insbesondere Fußballer und Skifahrer, da diese oft rasche Richtungsänderungen vollziehen müssen und die Unterschenkel starken Kräften ausgesetzt sind. Neben Knieschmerzen zeichnet sich eine Seitenbandruptur durch Bewegungseinschränkung, Bluterguss und Schwellung aus. Die Behandlung ist abhängig von der Schwere des Risses, die in drei Grade unterteilt wird.

Innenband (MCL-Ligamentum collaterale mediale)

Was ist eine Innenbandverletzung?

Die häufigste Knieverletzung betrifft oft die Innenseite des Kniegelenkes. Das mediale Kollateralband (Innenband -MCL) erstreckt sich vom Ende des Oberschenkelknochens (Femur) bis zur Oberseite des Schienbeines (Tibia) und befindet sich an der Innenseite des Kniegelenks. Es gibt drei anatomische Hauptstrukturen auf der inneren Seite des Knies, wobei das oberflächliche mediale Kollateralband das größte und stärkste ist. Die anderen Hauptstrukturen sind die hinteren schrägen und tiefen medialen Seitenbänder. Bei einer Innenbandverletzung können die gesamten medialen (inneren) Kniestrukturen betroffen sein. Eine typische Kontaktverletzung ist der Tritt des Gegenspielers auf die Aussenseite mit der Entstehung eines Valgusstresses (X-BeinStellung) im Knie und somit Zerreissung des Innenbandkomplexes.

Typische Symptome einer Innenbandverletzung?

Schmerzen direkt über dem Band, Schwellung und Entzündung über dem inneren (medialen) Teil des Knies. In schweren Fällen spüren die Patienten, dass das Knie nachgibt oder sogar aufklappt. Um das Ausmass der Verletzung zu bewerten und Zusatzverletzungen zu diagnostizieren empfehlen wir die Durchführung eines Kernspintomogrammes (MRT ) nach erfolgter klinischer Stabilitätsuntersuchung (Valgus-Belastungstest mit gestrecktem Knie und bis zu 30 ° gebeugtem Knie.)

Schweregrade der Innenbandverletzung

Mit dem Valgusstresstest lässt sich der Innenbandriss außerdem in drei unterschiedliche Schweregrade einteilen:

  • Grad I: Kann das Knie weniger als 5 Millimeter geöffnet werden, sprechen wir von einer erstgradigen Verletzung. Dies gilt als Hinweis auf ein Innenband, das zwar verletzt, aber noch intakt ist.
  • Grad II: Um eine zweitgradige Verletzung handelt es sich, wenn das Knie zwischen 5 und 10 Millimeter aufklappbar ist. Das Innenband ist nicht (vollständig) gerissen (Teilriss / Anriss des Innenbandes).
  • Grad III: Als höchster Schweregrad gilt die drittgradige Verletzung. Das Kniegelenk ist in dem Fall über 10 Millimeter aufklappbar. Es besteht ein vollständiger Innenbandriss.

Therapie

Da im Unterschied zum Außenbandriss der Innenbandriss bereits durch die konservative Behandlung gut verheilt, sind chirurgische Eingriffe bei ihm nur selten nötig. Im Allgemeinen heilen die meisten akuten Verletzungen vom Grad I und II mit einem gut überwachten Rehabilitationsprogramm und teilweise auch vorübergehender Schienenversorgung (Orthese) komplett aus. Differenzierter muss Grad III betrachtet werden. Bei komplettem Abriss des Innenbandes , ausgeprägter auch chronischer Instabilität, ist die operative Versorgung sinnvoll mit Naht des Bandes oder auch als rekonstruktiver chirurgischer Eingriff z.b. mit einem Sehnentransplantat. Bei einer kombinierten Verletzung des Innenbandes und des Kreuzbandes ist es daher z.b. wichtig zu überprüfen, ob die Innenbandverletzung vor der Vorderen Kreuzbandplastik vollständig verheilt ist oder gleichzeitig repariert oder rekonstruiert werden sollte.

Wichtig zu wissen:

chronische Instabilitäten des Innenbandes führen in bis zu 20 % zum Versagen der Vorderen Kreuzbandplastik

Aussenband (LCL-Ligamentum collaterale laterale)

Was ist eine Aussenbandverletzung?

Das laterale Kollateralband (LCL), auch Fibular Collateral Ligament (FCL) genannt, ist die Hauptstruktur am lateralen oder äußeren Teil des Kniegelenkes. Der Begriff Fibular Collateral Ligament (FCL) ist anatomisch korrekter, aber dieses Ligament wird üblicherweise als Lateral Collateral Ligament (LCL) bezeichnet. Das Aussenband ist ein dünnes, rundes, dickes Band, das vom Femur bis zur lateralen Seite des Fibulakopfes verläuft. Es dient der Stabilisierung des Kniegelenks gegenüber Varusstress und im Rahmen der Anspannung während der Extension verhindert das Band  auch die Innen- und Außenrotation, so dass diese nur im gebeugten Knie bei gelockerten Bändern möglich werden. Eine Aussenbandverletzung kann durch plötzliches Abstoppen und Starten, einen Schlag in die Knieinnenseite oder eine Verletzung durch Kontakt oder berührungslose Überstreckung auftreten. Manchmal bleibt die Verletzung einige Wochen unbemerkt  bzw. wird nicht diagnostiziert, bevor ein Athlet Instabilitätsprobleme bemerkt.

Typische Symptome einer Aussenbandverletzung?

Leichte Schwellung und Schmerzen, Schwierigkeiten beim Abstoppbewegungen und Richtungswechsel. Instabilität der Knieverlagerung von Seite zu Seite
Viele Athleten berichten über eine Unsicherheit und ein Gefühl haben, dass sich das Knie seitwärts bewegt. Leider heilen seitliche Kollateralbandrisse des Grades III aufgrund der instabilen Beschaffenheit des seitlichen Kniekompartiments mit zwei einander gegenüberliegenden konvexen Oberflächen normalerweise nicht und können zu einer weiteren Instabilität führen. Die Diagnose eines Aussenbandrisses erfolgt durch eine Kombination aus körperlicher Untersuchung (Varusstresstest) und radiologischen Techniken. Varus-Stress-Röntgenbilder sind sehr nützlich, um das Ausmaß der lateralen Instabilität zu bestimmen, vor allem um einen vollständigen von einem teilweisen Riss zu unterscheiden. Studien haben ergeben, dass ein Abstand von mehr als 2,7 Millimetern von Seite zu Seite mit einem vollständigen Riss des lateralen (fibularen) Kollateralbandes vereinbar ist und eine Rekonstruktion in Betracht gezogen werden sollte.

Behandlung

Die Schwere der Aussenbandverletzung entscheidet über die Behandlungsmethode. In weniger schweren Fällen können Ruhigstellung (Orthese), Eis, Kompression zusammen mit entzündungshemmenden Medikamenten und Schmerzmitteln die Beschwerden lindern und die Schwellung lindern. Eine Steigerung der Kraft und des Bewegungsspielraums kann durch physikalische Therapie erreicht werden, um das Knie wieder in einen gesunden Funktionszustand zu versetzen. Bei einem vollständigen Riss jedoch empfehlen wir in der Regel die operative Behandlung. Dieser chirurgische Eingriff wird typischerweise als offener Eingriff in Verbindung mit einer Gelenkspiegelung (Arthroskopie) durchgeführt. Das gerissene Seitenband wird durch ein Sehnen-oder Gewebetransplantat ersetzt (posterolaterale Rekonstruktion in modifizierter Larson-Technik). Wir bevorzugen diese anatomische Technik für die chirurgische Rekonstruktion und verwenden dabei ein Autotransplantat (eigene Semi-oder Gracilissehne) oder eine Allotransplantatsehne. Zunächst wird ein Tunnel an der femoralen Befestigungsstelle etwas proximal und posterior zum lateralen Epikondylus aufgebohrt. Anschließend befestigen wir das Transplantat an dieser Stelle mit einer Bio-Interferenzschraube im vorbereiteten Tunnel. Das Transplantat wird dann unter die oberflächliche Schicht des Iliotibialbandes und die laterale Aponeurose des langen Kopfes des Bizeps femoris geführt. Als nächstes wird ein Tunnel durch den Wadenbeinkopf (Fibulakopf) gebohrt, der seitlich an der exakten Befestigungsstelle der Aussenbandes am Fibulakopf beginnt und an der medialen Seite des Wadenbeines unmittelbar distal zum Popliteofibularband austritt. Das Transplantat wird dann durch dieses hindurchgeführt und in 20 Grad Beugung unter Spannung gesetzt. Eine Schraube wird dann eingedreht, um das Transplantat im Wadenbeinkopf zu befestigen. Die Operation ist beendet, sobald man bei der Narkoseuntersuchung feststellt, dass keine laterale Aufklappbarkeit im Varusstresstest mehr möglich ist.

Wichtig zu wissen:

Es ist wichtig zu beachten, dass eine MRT-Untersuchung ungenau sein kann - insbesondere in chronischen Fällen mit nicht komplett ausgeheilter Rissbildung des Aussenbandes.

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