Wenn die Kniescheibe schmerzt und/oder instabil ist

Anatomie und Funktion

Patella ist der lateinische Name für die Kniescheibe. Als Bestandteil des Knies schützt der kleine, flache, herzförmige Knochen zwischen Ober- und Unterschenkel das Kniegelenk und erleichtert dessen Bewegungsabläufe. Zahlreiche Beschwerden oder Schmerzen im Knie können von der Kniescheibe herrühren. Die Kniescheibe erleichtert jede Bewegung, bei der das Knie gebeugt oder gestreckt wird. Als Ansatzstelle für die Sehne des großen Oberschenkelmuskels (Quadrizeps, Musculus quadriceps femoris) ermöglicht sie die problemlose Kraftübertragung von der vorderen Oberschenkelmuskulatur über die Patellarsehne (Ligamentum patellae) auf das Schienbein . Zudem verbessert die Patella als Abstandhalter zwischen Sehne und darunterliegendem Knochen die Hebelwirkung und Biomechanik der Sehne.

Symptome und Beschwerden

Welche Probleme kann die Patella verursachen?

Für manche Knieprobleme ist die Kniescheibe verantwortlich. Dabei macht nicht immer der Knochen selbst Probleme – oftmals gehen die Beschwerden von ansetzenden Sehnen oder dem Knorpel an der Rückseite der Kniescheibe aus. Schmerzen im vorderen Kniebereich werden oft unter dem Begriff patellofemorales Schmerzsyndrom (FPS) zusammengefasst. Als ihr Auslöser kommen verschiedene Faktoren infrage:

  • Über- oder Fehlbelastung
  • Muskel- oder Bandverkürzungen
  • Trauma oder Sportverletzung
  • Fehlstellung oder eine falsch ausgebildete Kniescheibe
  • gutartige oder bösartige Neubildung
  • von der Wirbelsäule, Hüfte und Beinachsenfehlstellung ausgelöste Beschwerden

Infolgedessen kann die Kniescheibe schmerzen, springen, sich verschieben oder entzünden. Betroffen von der Entzündung sind dann auch benachbarte Bereiche wie der Schleimbeutel oder Hoffa-Fettkörper (Bursitis praepatellaris, Bursitis infrapatellaris, Hoffa-Kastert-Syndrom).

Ursachen

Abnutzung und Überlastung

Krankheitsbilder im Bereich der Kniescheibe, die auf Abnutzung oder Überbelastung beruhen, sind zum Beispiel:

  • Chondropathie (Chondromalacia patellae): trifft meist Mädchen und junge Frauen, Kniescheibenknorpel wird weich und nutzt sich ab
  • Kniescheibenarthrose (Retropatellararthrose, Knorpeldegeneration): abgeriebener, abgenutzter Knorpel
  • Sinding-Larsen-Johansson-Syndrom bei Kindern oder Patellaspitzensyndrom (Springerknie) bei Erwachsenen: verändertes Sehnengewebe am Knochen-Sehnen-Übergang
  • Morbus Osgood-Schlatter: Absterben von Teilen des Schienbeinknochens an der Ansatzstelle der Patellarsehne
Fehlstellung oder Fehlentwicklung

Mögliche Fehlstellungen oder Fehlentwicklungen der Kniescheibe sind:

  • Angeborene Patelladysplasie: Fehlbildung der Kniescheibe
  • Patella alta: zu hoch liegende Kniescheibe
  • Patella bipartita oder P. multipartita: Kniescheibe besteht aus zwei oder mehr Teilen; Grund ist eine gestörte Knochenbildung (Ossifikationsstörung)
  • Fehlstellung der Kniescheibe durch O- oder X-Beine(Genu valgus, Genu varus) oder bei einem Plattfuß
Unfall und Trauma

Unfälle und Traumata können verschiedene Schäden im Bereich der Patella verursachen:

  • Kniescheibenprellung (Kniekontusion)
  • Kniescheibenbruch (Patellafraktur)
  • Knorpelschaden
  • Patellasehnenruptur: teilweise mit knöchernem Ausriss (gegebenenfalls Vorschädigung der Sehne durch andere Erkrankung)
  • Kniescheibenluxation: Patella springt aus dem Gelenk (Luxation) oder verschiebt sich seitwärts (Subluxation); auch infolge einer Fehlstellung möglich

Therapie

Instabilität der Kniescheibe

Die Ursachen der Patellainstabilität sind multifaktoriell. Neben anatomischen Gegebenheiten (Dysplasien des Gleitlagers,Stellung der Beinachse etc.) spielen weichteilbedingte Veränderungen (Muskelschwächen, Dysbalancen etc.) eine Hauptrolle. Neben der exakten Erhebung der Vorgeschichte (Anamnese) sind klinische Untersuchung, Röntgendokumentation und Kernspintomogramm die wesentlichen Diagnostika. Bei einer Erstverletzung (Patellaluxation ohne Begleitverletzungen ) ist ein konservatives Vorgehen möglich mit Ruhigstellung (ca. 3 Wochen) und nachfolgender Physiotherapie. Bei immer wiederkehrenden Luxationen sind folgende operative Maßnahmen gegeben:

Rekonstruktion des medialen patellofemoralen Ligamentes (MPFL)

Die anatomische Rekonstruktion dieses Bandes kann die rezidivierende Patellaluxation zur Ausheilung bringen. Das Operationsverfahren sieht nach vorangegangener Arthroskopie, bei der luxationsbedingte Schäden des Kniegelenkes, z.B. Knorpelschäden behoben werden können, die Entnahme der körpereigenen Gracilis -oder Semitendonosussehne , die anschliessend an der inneren seitlichen Kniescheibe mit 2 Fadenankern und am inneren Oberschenkelknochen mit einer bioresorbierbaren Schraube fixiert wird. Unter einem 3-4-wöchigen Tragen einer Kniegelenksorthese heilt das so rekonstruierte Band in der Regel sicher und vollständig ein und verhindert künftige Patellaluxationen. Die Vorteile dieser Methode gegenüber herkömmlichen Verfahren wie „laterales Release“ oder „medialen Bandraffung“ liegen bei der anatomisch optimalen Rekonstruktion des MPFL und damit einer deutlichen Reduktion von Rezidiven.

Kniescheibenversetzung

Die Versetzung der Kniescheibe nach innen ist ebenfalls eine Option zur Behandlung der Instabilität.Die Indikation ergibt sich bei einem pathologischen TTTG Abstand > 20 Grad ohne schwere Knorpelschäden. Sie kann kombiniert werden mit einer medialen Kapselraffung und/oder Rekonstruktion des MPFL.

Trochleaplastik und Osteotomie

Diese sehr aufwendige Operationen, bei denen knöcherne Unterfütterungen der Oberschenkelrolle zum Ausgleich der Fehlentwicklung der Oberschenkelrolle erfolgen, werden nur bei sehr strenger Indikationsstellung eingesetzt, zumal auch Langzeitergebnisse noch ausstehen.

Umstellungen der Ober-und Unterschenkel

Liegt der Patellaluxation eine Drehfehlstellung des Ober-und Unterschenkels zugrunde, so muss dieses im Rahmen einer Umstellungsosteotomie angegangen werden.

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