Die Versorgung von Begleitverletzungen wie Meniskusrisse, Knorpelschädigungen, etc. im Rahmen der Kreuzbandrekonstruktion ist obligat. Trotzdem kommt es in ca. 20 % der Fälle zu Komplikationen, die dem Sportler den Wiedereintritt in den geliebten Sport erschweren.

Die häufigsten Stolpersteine  sind:

  • Reruptur der Bandplastik (d.h.erneute Rissbildung der Kreuzbandplastik)

  • persistierende Instabilität (nicht ausreichende Stabilität der Kreuzbandplastik)

Die Ursachenforschung genießt in diesen Fällen oberste Priorität. Handelt es sich um erneutes, adäquates Trauma, was die erneute Rissbildung der rekonstruierten Kreuzbandplastik verursacht ? Oder gibt es Faktoren, Risikofaktoren, die vor der ersten Operation trotz ausgiebiger Bilddiagnostik (MRT, Röntgen, CT, etc. ) nicht erkannt oder aber nicht entsprechend therapeutisch gewürdigt wurden. In erster Linie zählen dazu unbehandelte Verletzungen der Meniskusaufhängung, Meniskuswurzelläsionen, Verletzungen der äusseren-hinteren Kapselecke, Instabilitäten, die vom Innenband und der Kapsel ausgehen (sog sek.Instabilitäten). Seit einigen Jahren gerät auch ein bereits bekannter, wenn auch in Vergessenheit geratener Bandkomplex, das anterolaterale Ligament, als Risikofaktor verstärkt in den Fokus.

Das anterolaterale Ligament (ALL)

Dr. Steven Claes von der Universität Leuven, Belgien beschrieb im Jahr 2013 im Rahmen seiner Studien ein faseriges Band, das bei Riss des vorderen Kreuzbandes mit verletzt werden kann. Anatomisch verläuft das Band auf der Aussenseite des Kniegelenkes.  Die wesentliche Funktion des Bandes ist der Erhalt der Rotationsstabilität, insbesondere bei der Innendrehung des Kniegelenkes. Die Rekonstruktion dieses Bandes kann bei Patienten mit hochgradigem Pivot Shift Phänomen oder bei Patienten mit fortbestehendem Pivot Shift nach Kreuzbandrekonstruktion erfolgreich die Stabilität insgesamt verbessern. Das Band lässt sich im kernspintomographischen Befund nicht immer gut darstellen, sodass bei entsprechendem Verdacht im Rahmen der klinischen Untersuchung (Stabilitätstestung), die Indikation zur Rekonstruktion vom Operateur gestellt wird. Dabei handelt es sich allerdings um eine subjektive Einschätzung, die auch in der Hand eines erfahrenen Untersuchers zur Zeit noch nicht vollständig wissenschaftlicher Kriterien standhält.

Welche Konsequenzen hat das für die Praxis?

  • Akribische Rekonstruktion des Unfallherganges mit Erhebung der Krankheitsvorgeschichte unabdingbar.
  • Klinische Untersuchung mit Überprüfung der Stabilitätsteste (Referenz gesundes Bein) obligat. Kernspintomographische Befundung und Bildgebung alleine nicht ausreichend.

  • Bei persistierenden Instabilitäten nach einer Vorderen Kreuzbandplastik nach sog. sekundären Instabilitäten und verdeckten Meniskusläsionen suchen.

  • Begutachtung der Befunde (Mrt, Röntgen etc.) und Op Berichte der Erstoperation.