Der Riss des vorderen Kreuzbandes (ACL) ist besonders für den Sportler eine gefürchtete und nicht zu unterschätzende Verletzung, die für den Athleten unter Umständen sogar das Karrierende bedeuten kann und für alle Betroffenen auch die Gefahr einer Arthrose in sich birgt. Neben vielen veränderbaren Faktoren zur Vermeidung einer Kreuzbandverletzung gibt es , wie unter dem Stichwort Genetik erwähnt, auch nicht veränderbare Faktoren,wie anlagebedingte anatomische Gegebenheiten die als Prediktor für eine Kreuzbandverletzung gelten.

Der kleine Unterschied

Der berühmte “kleine Unterschied” zwischen den Geschlechtern entpuppt sich im Hinblick auf das Risiko einer Kreuzbandverletzung als mögliches zusätzliches Handicap für die weibliche Sportlerin. Beispielsweise das relativ breitere Becken im Vergleich zu den Männern hat zur Folge, dass der Oberschenkel vermehrt nach innen gedreht ist, auch mehr verwinkelt sich darstellt, damit eine Knick-Fuss Komponente entsteht.

 

Untersuchung

Besonders deutlich tritt dies für den Untersucher zu Tage wenn er den Patienten (in diesem Fall oft eine Patientin) bittet, auf einem Bein stehend in die Kniebeuge zu gehen. Hier wird eine fragliche X-Bein Stellung besonders deutlich. Dies hat insgesamt einen breiteren Quadrizepswinkel zur Folge, also der Winkel, in dem der Femur (Oberschenkelknochen) zur Tibia (Unterschenkelknochen) steht . Die Vermutung liegt nahe, dass dieser erhöhte Winkel mehr Stress auf das Kniegelenk insgesamt bringt und somit zu einer erhöhten Belastung des vorderen Kreuzbandes führen kann. Wenn jetzt zusätzlich noch eine kleine, enge Kreuzbandhöhle (Notch) vorhanden ist und der Unfallmechnanismus ein Valgustrauma( in X- Beinstellung z.b nach einer Landung) hinterließ, so lässt sich dies möglicherweise als “Scherverletzung” des Kreuzbandes interpretieren, bei dem das Kreuzband nicht quer reisst , sondern in Längsrichtung abgeschert wird.

Intraoperativer Befund

Bei der intraoperativ erhobenen Dokumentation im Rahmen der Arthroskopie findet sich bei diesem Patientenklientel oft ein Zyklops (abgescherter Kreuzbandteil liegt vor dem Oberschenkelknochen und kann die Streckung des Kniegelenkes behindern).

Risikofaktor

Liegen die beschriebenen anatomischen Gegebenheiten vor, raten wir zu erhöhter Aufmerksamkeit, insbesondere wenn eine sogenannte “stop and go” Sportart wie Fußball, Tennis, Basketball oder Volleyball betrieben wird, da die Wahrscheinlichkeit einer Kreuzbandverletzung bei entsprechendem Unfallmechanismus erhöht ist.

Welche Konsequenzen könnte dies in naher Zukunft für die klinische Praxis bedeuten?

  • Screening des fraglichen Klientel vor Beginn einer besonders im Hinblick auf Kreuzbandverletzung anfälligen Sportart
  • Beratung über präventive Übungen, vor allem Saison vorbereitend, mit dem Ziel der Stärkung der Schnellkraft / Sprung -Qualität sowie neuromuskuläre Übungen, vor allem zur Verbesserung der Landetechniken
  • Zeigt sich im intraoperativen Befund ein Zyklops bei enger, kleiner Notch, so ist eine Aufklärung hinsichtlich der Vermeidung einer erneuten Verletzung oder neuen Ruptur des akut nicht betroffenen Beines geboten.

Das vordere Kreuzband, allgemein als ACL bezeichnet, ist ein dickes, elastisches Gewebeband, das vom unteren Ende des Femurs(Oberschenkel) bis zur Oberseite der Tibia (Unterschenkel verläuft. Es hilft, das Kniegelenk zu stabilisieren. Das Vordere Kreuzband kann reissen , wenn das Knie verdreht oder überdehnt wird. Aus Gründen, die nicht vollständig geklärt sind, sind vordere Kreuzband-Verletzungen bei Frauen weitaus häufiger als bei Männern.