Das anterolaterale Ligament – der Sicherheitsgurt für das Kreuzband?

Versagensrate bei Vorderer Kreuzbandplastik hoch

Die Mehrheit der Sportler mit Verletzung des vorderen Kreuzbandes (ACL) entscheiden sich für eine Operation mit Wiederherstellung (Rekonstruktion) des Vorderen Kreuzbandes (VKB Plastik). Viele erreichen ihr ursprüngliches Leistungsniveau und können ohne Schwierigkeiten wieder ins Spiel zurückkehren. Doch ca.20-25 % der Sportler mit operativ versorgter Kreuzbandplastik erleiden eine erneute Verletzung mit erneutem Riss der Vorderen Kreuzbandplastik oder die Kreuzbandplastik verliert ihre Festigkeit und Stabilität (Vordere Kreuzbandinsuffizienz). Die Ergebnisse dieser Ausfälle sind multifaktoriell, aber eine wesentliche ist die sog.anterolaterale Rotationsinstabilität, die im Rahmen der Kreuzbandrekonstruktion möglicherweise nicht wiederhergestellt bzw. erkannt wurde.

Was passiert im Kniegelenk nach einer VKB Ruptur?

Bewegungskinematische Untersuchungen zeigen die Veränderungen im Kniegelenk nach vollständiger Rissbildung des Vorderen Kreuzbandes:

Nach vollständiger Durchtrennung bzw. Zerreißung des vorderen Kreuzbandes entsteht eine vordere Kniegelenksinstabilität mit vermehrter nach vorne gerichteter Kraft des Unterschenkels (anteriore tibiale Translation). Als Folge der bestehenden vorderen Instabilität des Kniegelenkes kommt es unter Belastung des Kniegelenkes zu einer Verschiebung (Subluxation) des Unterschenkels (Tibia) nach vorne. Neben der vorderen Instabilität verursacht eine VKB-Ruptur auch eine so genannte anterolaterale Rotationsinstabilität. Diese Instabilität zeichnet sich durch eine Verlagerung des Rotationszentrums in den inneren Gelenkabschnitt aus. Hierdurch wird die Beweglichkeit des äusseren Unterschenkels (laterales Tibiaplateau) durch eine vermehrte nach vorne gerichtete Kraft und erweiterte Innenrotationsbewegung gesteigert.

Verlagerung der Rotationsachse nach VKB Ruptur

Rotationszentrum des Kniegelenkes bei intaktem Vorderen Kreuzband: